„Haager“ Bauernschrank, um 1790, Raum Oberösterreich

Objekt Bauernschrank, polychrom gefasst Kurze Beschreibung Die Ähnlichkeit zu dem "Linzer Reiterkasten" ist sowohl im Aufbau als auch in der Gestaltung nicht zu übersehen, so dass angenommen werden kann, dass ihre Entstehungsgeschichte eng miteinander verknüpft ist. Typisch für den "Haager" Bauernschrank sind die Verzierungen mit Flächen abwechselnd aus Kammzug und Marmorierung, umrahmt mit Bänderwerk, sowie Maskarondarstellungen, die Silberintarsienarbeit imitieren, als auch Blumendarstellungen, die überwiegend die Türfüllungen schmücken. Die beiden letztgenannten fehlen dem "Linzer Reiterkasten", der in den Türfüllungen ausgeschnittene und befestigte Stiche von "Reitern" aufweisen. Der sechseckiger Schrank ist zweitürig mit stufenförmig aufsteigendem Aufsatz. Dieser ist abnehmbar. Der Korpus ruht auf fünf Füßen mit rundem Durchmesser. Material Nadelholz, polychrom gefasst Technik vermutl. Temperamalerei, welche direkt auf das Holz gemalt wurde, eine weiße Grundierung ist nur partiell in den Türfüllungen vorhanden Maße (max. H/B/T): 215,0 cm x 153,0 cm x 71,0 cm Werkstatt unbekannt Datierung um 1790 Eigentümer Privatbesitz Auftraggeber Privat Bearbeitungs- Zeitraum Januar 2014 - April 2015 Anlass und Ziel der Maßnahmen Konservierung und Restaurierung des Bauernschrankes aufgrund eines umfangreichen Schadensbildes, verursacht durch das Hochwasser Juni 2013 in Raum Deggendorf. Ziel ist es, den Schrank sowohl in seiner ästhetischen Erscheinung als auch in seiner funktionalen Nutzung wiederherzustellen mit großem Respekt für alle Alterserscheinungen des Stückes. Durchgeführte Maßnahmen: Festigung und Sättigung der bindemittelarmen und teilweise in Schollen wegstehenden Fassung Festigung des Holzträgers mit Knochenleim und Befestigung mit geschnitzten Holznägeln aus Birkenholz Reinigung der Fassung und des Holzträgers Holzergänzung und Erneuerung der inneren Fachbretter Reinigung und Konservierung der Beschläge aus Eisen Retusche und Rekonstruktion von vollständig verlorener Malerei in Teilbereichen Auftrag eines Schutzfirnisses mit Naturharz, auf Wunsch der Eigentümerin mit Bienenwachszusatz
Abb. 1: Detailansicht des Schrankes von unten rechts, vor der Restaurierung.
Abb. 2: Detailansicht des Schrankes von oben links, vor der Restaurierung.
Abb. 3: Detailansicht des Schrankes, ein loses Fußteil aus der rechten Seite, vor der Restaurierung.
Abb. 4: Detailansicht des Schrankes, oberes Gesims, mit schollenartig wegstehender Fassung vor der Restaurierung.
Abb. 5: Detailansicht aus dem inneren des Schrankes, vor der Restaurierung.
Abb. 6: Detailansicht des Schrankes, ein loses Fußteil von der Vorderseite, vor der Restaurierung.
Abb. 7: Zwischenzustandaufnahme eines Details, nach partieller Holzergänzung mit Holzstäbchen und Knochenleim.
Abb. 8: Zwischenzustandaufnahme nach partieller Holzergänzung mit Nadelholz (Rekonstruktion von fehlenden Teilen nach Vorbild).
Abb. 9: Zwischenzustandaufnahme, während der Festigung des Schrankkorpusses, mittels Zwingen mit heißem Knochenleim.
Abb. 10: Zwischenzustandaufnahme, nach der Befestigung von zwei Rückwandbrettern konnte der Bauernschrank endlich aufgerichtet werden.
Abb. 11: Vorzustandaufnahme, Detail vor der Retusche.
Abb. 12: Endzustandaufnahme, Detail nach der Retusche.
Abb. 13: Vorzustandsaufnahme, Detailansicht von Blumenmalerei auf der Schrägseite, vor der Retusche.
Abb. 14: Endzustandsaufnahme, Detailansicht von Blumenmalerei auf der rechten Schrägseite, nach der Retusche.
Abb. 15: Gesamtaufnahme, Vorderansicht des Bauernschrankes nach der Restaurierung.
Abb. 16: Gesamtaufnahme, rechte Seitenansicht des Bauernschrankes nach der Restaurierung.
Abb. 17: Gesamtaufnahme, linke Seitenansicht des Bauernschrankes nach der Restaurierung.
Abb. 18: Gesamtaufnahme, Rückseite des Bauernschrankes nach der Restaurierung. Die Rückseitenbretter wurden mit geschnitzten Holznägeln aus Birkenholz mittels Knochenleim an den Korpus befestigt.